"ich war diesmal besonders nervös bei Kyudo, da ich es instinktiv wusste, dass er erscheint. Dass er jetzt kommen wird. Der Typ, der mir seit mehr als einem Jahr hoffnungslos und total irrational gefällt. Und er ist in der Tat gekommen, nachdem du gegangen bist.
Ich bin schon 24, und mich hat noch nie im Leben das bloße physische Phänomen eines Unbekannten so tief beeindruckt. Ich weiß es nicht, welche geheimen Saiten seine Schönheit in mir zum Schwingen bringt, aber wenn ich sie mir heraufbeschwöre, schnürt es mir die Kehle zu… es gibt in ihm etwas Ätherisches, etwas Zerbrechliches, etwas nicht von dieser Welt, was mich zutiefst bewegt (nein, pathetischer und sentimentaler geht es nicht mehr!!! :D)
„(I do not know, what it is about you, that closes
and opens; only something in me understands
the voice of eyes is deeper than all roses)
nobody, not even the rain, has such small hands.” E.E.Cummings
In fact, he has enormous, beautiful hands… actually the most amazing ones I’ve ever seen. (They ought be declared as part of the World Heritage.) Und seiner Rede Zauberfluss… abgesprochen von seiner Augen Gewalt! :D
Die Sache ist, ich habe ihm letztes Jahr, als er noch in der Bibliothek arbeitete, einen handgeschriebenen Brief durch seine Kollegin (… Kindergartenniveau bei weitem überschritten – wie eine unverfälschte Tatjana) behändigt (nachdem wir einfach leider keine Gelegenheit hatten, miteinander natürlicher-und spontanerweise in Kontakt zu geraten – wir haben außer Kyudo keine gemeinsame Lehrveranstaltung, dabei kommt er sowieso sehr selten und dann in die fortgestrittene Gruppe), in welchem ich meinen Wunsch zwar ziemlich dezent und formal, aber eindeutig zum Ausdruck brachte, ihn kennenzulernen. Darauf erhielt ich lange keine Antwort. Nachdem ich mir nicht sicher war, ob meine Nachricht ihn erreichte, konnte ich es nach 10 Tagen nicht mehr aushalten, und wollte mich persönlich überzeugen. Ich habe ihn im Mozarteum erwischt, und danach gefragt.
- Hallo! Entschuldigung, ich wollte dich nur fragen, ob mein Brief bei dir angekommen ist? – verlegenes und verwirrtes Schweigen
- Bist du Beatrix?
- Ja.
- Ja. Ist er – langsam aber gewiss. Erwartungsvolles Schweigen und Aufmerksamkeit meinerseits (ich habe jetzt die Ausreden erwartet… sowas wie „ja, verzeih, aber ich bin der Zeit sehr beschäftigt, ich glaube nicht, dass es zusammenkommt” oder „es tut mir leid, aber das ist nicht meine Art jemanden kennenzulernen”) – Es tut mir echt leid, dass ich dir nicht geantwortet habe - er schien ehrlich zu sein - ... aber ich habe es lieber, wenn jemand persönlich zu mir kommt. So, wie du jetzt. (Wie Ihr es Euch auch immer wünscht, Eure Heiligkeit! XD)
- Ja, ich weiß, dass es eine ziemlich ungewohnte Geste war – überflüssiger Entschuldigungsversuch
- Kein Problem (:D)… Dann würde ich mal sagen, gehen wir auf einen Kaffee!
- In Ordnung. Wann? (als hätte ich seinen Bluff gerade enthüllt)
- Hmmm… über das Wochenende fahre ich weg, ich rufe dich an nachher, nächste Woche.
- Ok, dann gebe ich dir meine Nummer – diese logische „Wendung” schien ihn überrascht zu haben... Demnächst haben wir unsere Nummer doch ziemlich flott ausgetauscht ;) und in wechselseitiger Verlegenheit voneinander Abschied genommen.
Dann habe ich weitere 10 Tage in Unsicherheit ohne ein Lebenszeichen von ihm verbracht, und nachher bin ich wieder in Aktion getreten, weil ich dieses Benehmen nicht dabei lassen wollte (ich mag es nicht, wenn man mich umsonst warten und hoffen lässt, anstatt mich klipp und klar, aber höflich zurückzuweisen).
Dann folgte der Sms-Wechsel:
„Lieber S., ist dein Angebot bezüglich gemeinsamen Kaffeetrinkens immer noch aktuell? Hast du dein Interesse in der Zwischenzeit verloren, oder war es von vornherein eine falsche (und daher überflüssige) Höflichkeitsausweichung deinerseits? Antworte mir bitte in allen drei Fällen, ich möchte auch planen können! Du kannst mich ruhig zurückweisen, nur sei bitte diesmal eindeutig! Danke für deine Ehrlichkeit. Lg Beatrix (ich hoffe, du kannst diesen Namen jetzt schon mit meinem Gesicht assoziieren)”
„Nichts davon, im Ergebnis jedoch – und ja, tatsächlich unnötig, bitte, verzeih! – entsprechend ’nr. 3’(Gesichtern per se kann ich in der Regel erst nach Monaten zuordnen..) Lg S.”
naja, also ich hatte ziemlich eine Meinung über diese Antwort ("nichts davon, im Ergebnis jedoch"? Please!... entweder oder), vor allem zu apostrophieren mit dem Namen eines bestimmten südlichen Obstes ;) – und ziemlich unmännlich.
So, ich musste natürlich das letzte Tor (oder den letzten Mato… je nach dem ;) schießen.
„Gesichter mit Namen zu merken ist ein nützlicher skill, dann weißt du, wessen Blick du besser meiden sollst ;). Immerhin war deine SMS mindestens so aufschlussreich, wie ein Kaffee, also danke. Alles Gute! :) B.”
Ja… seitdem ist schon fast ein Jahr vergangen, und seitdem wirkt er oft als Gastdarsteller im Stab meiner Träume mit… wobei ich ihn kaum kenne, und von seinem Charakter nach diesen Erfahrungen eigentlich nichtmal so viel halte. Und trotzdem, jedesmal ich ihn sehe, fange ich zu zittern an, und bin inzwischen glücklich aufgeregt.
How pathetic is that?
Als er gestern auch reinspazierte, habe ich gedacht, ich lasse den Bogen fallen, aber jedenfalls verletze ich jemanden oder mache die Einrichtung kaputt… zum Glück konnte ich mich aber disziplinieren und ganz konzentriert weiterschießen (nur meine Füße hielten etwas labiler…) - und nebenbei ließ ich meine Ohren von seinem schön artikulierten Hochdeutsch – sanft und kraftvoll geraunt mit seinem bannenden Bass - verschmelzen.
Wir haben uns ung. 15 Minuten lang im selben Raum aufhalten, und während dieser Zeit habe ich jedes mögliche Treffen unserer Blicke sorgfältig gemieden, und ihn nur peripherisch beobachtet (oft in seine Richtung aber fast nie direkt auf ihn geschaut). Aber trotzdem, sogar das hat mir genügt… einfach die Räumlichkeit mit ihm zu teilen… ich würde echt Miete zahlen für das jeweilige Zimmer, er drinnen ist :p (vor allem, wenn ausgestattet mit einem unsichtbar machenden Gewand). Ich würde mich wirklich freuen, wenn dieses vorige jetzt ein Zitat von einem billigen Schnulzroman wäre (den ich ansonsten nie lesen würde)… aber das kommt von mir leider authentisch.
Platonische Lieben pflegte ich immer schon bereitwilliger, als erwiderte… die hielten immer länger, und ich habe sie weniger enttäuschend erlebt."
Konklusion: Ich sollte der Mann in dieser Lage sein. Oder überhaupt... wobei die Schönheit einer Frau dieserweise zu würdigen ziemlich kommerziell und mittelmäßig wäre (nachdem die Schönheit des "schöneren Geschlechtes" eine Evidenz ist)... da ich es aber als Frau mit einem Mann (Männer kann man in den seltensten Fällen als "schön" bezeichnen - und ein guter 80% dieser Fällen erweist sich früher oder später als schwul :D) anstelle, bin ich viel origineller, und offensichtlich viel weniger effizient.
Und überhaupt, was heißt Schönheit? Wenn ich jemanden mit dem Adjektiv "schön" auszeichne, das bedeutet bei mir nicht unbedingt und auf keinen Fall nur die günstige Beurteilung optisch wahrnehmbaren Parametern. Was für mich jemanden schön macht, ist ein versteckter, unfass - und unbenennbarer Wert, der durch ihn durchscheint.